Unterwegs SEIN...
...mit der Wäller Waldfrau!

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Erfahrung einer Teilnehmerin

Zu Beginn unseres Spaziergangs suchten wir uns eine ruhige Stelle am Wegesrand, wo ich Marianne von meinem Anliegen berichtete: Zur Zeit beschäftigt mich die Situation mit meiner Mutter sehr. Sie ist über 80 und hatte kurz zuvor einen Sturz mit Hüft- und Oberschenkelbruch. Nach der notwendigen OP war sie zwar körperlich schnell wieder relativ fit, aber leider nimmt ihre Vergesslichkeit immer mehr zu - es geht in Richtung Demenz. Sie lebt alleine, ca. 140 km von meinem Wohnort entfernt. Mich belastet diese Situation ziemlich. Ständig mache ich mir Sorgen, komme nicht zur Ruhe. Ich bin sehr angespannt und permanent in innerer Alarmbereitschaft, rechne ständig mit weiteren schlechten Nachrichten. Nachdem ich zu Ende erzählt hatte, gingen wir schweigend weiter. Schon die ganze Zeit während des Redens hatte ich gemerkt, wie sehr ich mich nach der Stille des Waldes sehnte. Marianne bat mich, mir meine Umgebung genau anzuschauen und darauf zu achten, ob ich mich von einer Stelle besonders angezogen fühlte. Diesen Ort entdeckte ich auch kurz darauf, ein paar Meter vom Weg entfernt im Wald. Als ich dorthin ging und mich zwischen die Bäume stellte, stand ich erst nicht gut und fühlte mich irgendwie unwohl. Mein Blick schweifte umher, bis ich ein paar junge Bäume sah, die fast kreisförmig um einen kleinen Platz standen. Ich schaute mir diesen Platz zunächst von außen an, fühlte mich dort hingezogen und wollte mich unbedingt dort hineinstellen. Es gab so etwas wie eine Öffnung, und als ich zwischen die Bäume trat, fühlte es sich zuerst wie ein Käfig oder sogar Gefängnis an. Ich blieb erstmal eine Weile so stehen und spürte in das Gefühl des Gefangenseins hinein. Langsam veränderte sich mein Gefühl, und ich fühlte mich auf einmal geborgen anstatt gefangen. Ich merkte, dass die Bäume mir einen Schutz vor der Welt „da draußen” boten, fast wie früher, wenn ich als Kind in meinem Bett lag. Dann tauchte das Bild meiner Mutter vor mir auf, die sich aber außerhalb meines geschützten Platzes befand. Ich war froh, dass ich diesen Schutzraum und auch den Abstand zu ihr hatte und wollte nicht, dass sie diesen Raum betrat; gleichzeitig konnte ich mir die ganze Situation so in Ruhe ansehen. Am Rand dieses Platzes standen zwei Bäume dicht beieinander. Ich hatte den Impuls, mich an sie zu lehnen, und als ich es tat, fühlte ich mich sicher und gehalten. Mit dem Blick auf den Raum zwischen den Bäumen wurde mir klar, dass ich jederzeit rein und raus kann, wie ich will, weil es eben doch kein Käfig oder Gefängnis war. Nach einer Weile wollte ich die Welt außerhalb dieses geschützten Platzes sehen bzw. spüren, wie es mir dort gehen würde. Ich trat hinaus, drehte mich um und hatte nach kurzer Zeit wieder das Bild meiner Mutter vor Augen, dieses Mal aber innerhalb dieses „geschützten” Platzes. Es war, als hätten wir die Plätze getauscht: Nun war ich draußen und sie drinnen. Mir wurde klar, dass sie nun den Schutz benötigte und ich bereit war für die Welt außerhalb. Ich hatte das Bedürfnis, den Eingang mit ein paar Ästen auf dem Boden zu „versperren”, wusste aber zuerst nicht, warum. War dies zu meinem oder ihrem eigenen Schutz, oder wollte ich sie damit „aussperren”? Ich war verwirrt über diese sich widersprechenden Gefühle. Nach einer Weile erkannte ich jedoch, dass wir beide so jeweils unseren eigenen Raum sowie genug Distanz hatten, und dass meine Mutter nun Sicherheit und Geborgenheit erhalten hatte. Ich merkte, dass ich den Schutz inzwischen nicht mehr so sehr brauche wie früher, sondern wieder neugierig auf die Welt werde, außerhalb meiner Schutzmauern, die ich schon seit Jahren um mich aufgebaut hatte und durch die nur wenige Menschen an mich herankommen konnten. Nachdem ich wieder aus dem Wald heraus kam, bemerkte ich, dass ich nicht mehr so aufgewühlt war wie zuvor. Ich war viel ruhiger geworden, und die Erkenntnisse des Wanderns in Stille haben mir geholfen, für den Moment genug Abstand zum Thema zu bekommen und wieder mehr bei mir selber sein zu können.


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